Montag, 3. Dezember 2012

Freiheit

Heute ist mir beim Laufen auf einer Lichtung ca. 50 Meter vor mir eine Frau mit Hund aufgefallen. Sie spazierte in die gleiche Richtung, wie ich lief. Geschätzt gute 50 Jahre. Mit Hund. Ich glaube es war ein deutscher Schäferhund. NICHT angeleint. Naja, kommt öfters vor, um ehrlich zu sein, habe ich noch NIE einen Hund im Wald angeleint gesehen. Ich laufe also extra auf dem Schnee, dass sie mich hören muss und den Hund bändigen kann, und denke mir nichts dabei. So war es bis jetzt immer...Er war gerade vom mir aus gesehen hinter ihr. Der Hund kommt zu ihr. 20 Meter. Sie wirft irgendwas in ihre Spazier-Richtung. 15 Meter. Der Hund läuft hin und wendet, um zu ihr zurückzuhecheln. 10 Meter. Der Hund sieht mich. 7 Meter. Ojee, ich vertraue darauf, dass sie mich gehört hat. 3 Meter. Ich merke, dass der Hund zu mir kommt. Okeeee, sie hat mich NICHT gehört...Mittlerweile ist auch ihr aufgefallen, dass er nicht zu ihr will, er ist ja schließlich schon an ihr vorbei. Sie dreht sich um, um zu sehen, was denn ihrem Liebling einfällt, dass er nicht zu ihr läuft. Sie erschrickt, weil sie mich sieht. Ich erschrecke auch: Der Hund ist nun BEI MEINEN FÜßEN!! Der Hund bellt. Der antrainierte Reflex eines Hundebesitzers kommt zum Tragen: Sie sagt: "Der duad nix". Hätte sie nicht so verschreckt geschaut - hätte ich es ihr ... Nein, AUCH DANN hätte ich es ihr  nicht geglaubt!! Mittlerweile bin ich stehen geblieben. Der Hund umkreist mich. Ich fixiere ihn (Für Außenstehende ist dieser Blick sicher nicht von einem Kuhglotzblick zu unterscheiden).Wann beißt er mich jetzt endlich?? Die Frau ruft einen Namen. Kurz. Knackig. Ich höre ihn nicht. Mir sind meine Füße und Beine wichtiger, als der Name eines Vierbeiners, dessen Frauchen es nicht schafft ihn an die Leine zu nehmen, wenn jemand kommt. Ich fixiere nach wie vor den Hund. Der Hund wedelt zu seinem Frauchen. Sie nimmt ihn am Halsband. Gott sei gedankt!! Das war knapp!! Sie hat ihr Huch-da-ist-ja-noch-ein-Jogger-Gesicht noch nicht geändert und sagt nun mit diesem: "Ist ja nix passiert..." Auch das kann ich ihr nicht glauben, weil sie nicht weiß, wieviel Angst ich vor unangeleinten Hunden habe. Schade, jetzt überwiegt gerade die Erleichterung. Ansonsten hätt ich ihr jetzt gerne einen Vortrag davon gehalten, dass die eigene Freiheit nur soweit geht, dass kein anderer in seiner eingeschränkt wird. Ich sage also: "Jaaaa" und versuche gestresst zu gucken. Während ich nun weiterlaufe und nach Pfotengeräuschen lausche, fällt mir in ihrer anderen Hand eine Hundeleine auf.

Sie war also nur zu taub, mich zu hören, zu unfähig, das einzusehen und infolgedessen ihren Hund anzuleinen oder zu faul es einzusehen und sich deshalb öfters mal umzusehen, ob denn da wer kommt, den sie stören könnte.
Eben hab ich mal das www durchsucht, ob denn Hunde in Bayern Leinenpflicht haben oder nicht. Mittlerweile bin ich soweit gekommen, dass ich den allgemeinen Paragraphen des Bayerischen Naturschutzgesetzes zitieren kann:
Die Rechtsausübung [ergo: das Recht auf den Genuss der Naturschönheiten und auf die Erholung in der freien Natur] anderer darf nicht verhindert oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden (Gemeinverträglichkeit). (BayNatschG; Artikel 21 Absatz 2 Satz 3; Quelle: http://www.lbv.de/uploads/media/BayNatschG_2005.pdf)

5 Kommentare:

  1. Für die Leinenpflicht ist das nicht der richtige Paragraph, aber dafür gibt es meines Erachtens auch bundesweite Vorschriften. Oder?
    Das Gefühl kann ich gut nachvollziehen. Kommt auch nicht unbedingt auf die Größe des Hundes an, auch ein Dackel kann sich in deiner Wade festbeißen.

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  2. Das ist der allgemeine Pragraph für Bayern. Die genaue gesetzliche Regelung findet in den Kommunen statt. Eine Leinenpflicht für das gesamte Kommunengebiet ist unzulässig, außer für Kampfhunde. Für bestimmt Gebiete (Parks oder Wälder) können aber Leinenpflichten fesgelegt werden.
    Sicherlich kann auch ein Dackel sich fieß festbeißen, aber im Stressmoment zählt das nicht...

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  3. wie das zählt nicht? Soll das heißen, nur ein großer Hund macht dir Angst?

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  4. Zumindest zählte es in diesem Moment nicht...
    Da ging es nur darum, dass es ein GROßER Hund war...
    gemäß der Regel:
    Je größer das Tier, desto größer die Angst (Ausnahmen, wie Spinnen und Elefanten sind natürlich möglich...)

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  5. Na dann versteh ich. Bei mir ist das völlig irrelevant wie groß der ist.

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